Montag, 8. Juli 2013

Granitabenteuer am Moine Südgrat

Die Aiguille Moine ist ein bei uns eher unbekannter Granitzacken von knappen 3500 Metern Höhe. Er liegt aber inmitten des vielleicht eindrücklichsten Gletscherkessels der Alpen, nämlich hoch über dem Mer de Glace, direkt gegenüber der Grandes Jorasses auf der linken, und den Aiguilles de Chamonix auf der rechten Seite. Im Hintergrund thront der Mont Blanc. Diese prominente Lage hat ihn sogar mal auf die Titelseite eines "die Alpen" gebracht. Seit diesem Titelbild war die Tour auf meiner Wunschliste, jetzt, Anfangs Juli 2013, sollte es endlich klappen. Und so fahren Corina und ich am Freitagnachmittag nach Chamonix, wo wir uns auf dem Hauptplatz bei einem feinen Salat und dem Anblick der im Abendrot glühenden Blaitiere auf zwei wunderbare Tage einstimmen. 
Angedacht war, dass wir am Samstag die Route "Le Joyau et le Lotus" an den Flammes de Pierre klettern. Allerdings war bald klar, dass dieser Plan zusammen mit dem Zustieg und dem Weiterweg zur Couvercle-Hütte etwas zu ambitioniert ist. Deshalb belassen wir es dann bei einer gemütlichen Wanderung über die Balcons de Mer de Glace zur Hütte.
Die Hüttennacht ist soweit ok, ausser dass natürlich die Verte-Aspiranten bereits um Mitternacht aufstehen und dann eigentlich kontinuierlicher Betrieb in der Hütte ist. Wir haben den Wecker auf die 4 gestellt, kurz vor fünf gehen wir los. Ein grosser (und sehr langer) Tag kündet sich an!
Der Zustieg zur Rampe geht problemlos, bereits eine halbe Stunde später stehen wir am Bergschrund. Dieser lässt sich entweder links im Fels, oder rechts durch eine sandige Rinne überwinden. Die ersten zwei Seillängen auf der Rampe klettern wir mit den Steigeisen, weil es einige pickelharte, steile Schneefelder zu traversieren gibt. Ein typischer Kaltstart nach Chamonix-Art! Nach der Rampe wird das Gelände insgesamt freundlicher, leichte Bänder wechseln ab mit kurzen, aber teilweise recht harten Kletterstellen. Auch ist es nicht immer offensichtlich, wo der Weg durchführt, wobei es wohl auch nicht 'der leichteste Weg' gibt. Hier sind wir bereits im grossen Couloir, welches auf den Grat führt.
Einmal auf dem Grat angekommen spielt sich die interessante Kletterei meist auf den Westseite ab, was etwas den Nachteil hat, dass die Fotos schwierig zu belichten sind. Infolgedessen habe ich leider kaum Bildmaterial. Jedenfalls quert man zuerst auf einem mit dem Schnee etwas mühsamen Band nach links, klettert dann zwei kurze Seillängen in einer Rissverschneidung hoch, wobei die letzten 4 Meter mit etwa 5c die Schwierigsten sind. Über ein Band und eine leichte Verschneidung gelangt man zum fotogenen grossen Felstisch.
Weiter über ein Band, welches man teils kriechend auf der Westseite überwindet. Es folgt die wohl nominell schwierigste Seillänge, eine coole Rissverschneidung, gefolgt von einem V-Kamin. V-Kamin? Halt so ein Monster, wo man sich mit dem Körper reinpressen muss und sich - auf die mässige Reibung von Knien und Rucksack vertrauend - hochschrubbt. Sich immer auf der Westseite haltend, gelangt man über weitere, etwas leichtere Seillängen zurück auf den Grat. 
Es folgt dann noch ein kurzes, aber recht deftiges Wändchen, bis sich der Grat endgültig zurücklegt. Von hier wären es noch etwa 50 Höhenmeter auf den Gipfel. Wären, denn uns wird bewusst, dass, wenn wir heute noch zurück nach Zürich wollen, wir absteigen müssen. Es ist schon zwölf Uhr, und der Abstieg wird noch einige Zeit kosten. 
Das tut er tatsächlich. Faktisch klettert man 500 Höhenmeter anhaltend ab - das zehrt und braucht Zeit, auch wenn es nicht mehr als ein Zweier ist. Aber irgendwann ziehen wir das Seil von der untersten (und fast einziger) Abseilstelle ab, und 15 Minuten später sind wir schon in der Hütte. Wobei, die Tour ist noch nicht fertig, es warten immer noch die längsten und steilsten Leitern im Mont Blanc Massiv auf uns...
Als wir endlich, um halb zwölf Uhr nachts zuhause ankommen, spüren wir den Tag in jeder Faser des Körpers!

Facts:
Aiguille Moine, Südgrat, S-, 5c

Schöne Klettertour in genialer Umgebung. Die Schwierigkeiten sind zwar nur kurz und nicht anhaltend, aber man klettert eigentlich konstant vom ersten bis zum letzten Meter. Zusammen mit dem Abstieg, bei dem grosse Konzentration und Effizienz im Granitschrofengelände gefragt ist, eine recht lange und kräftezehrende Unternehmung. Sicher in keiner Form zu vergleichen mit den netten "Granitgrätchen" am Furka oder bei der Göscheneralp.

Material:  Pickel, Steigeisen, reduziertes Set Friends und Keile (in den schwierigen Stellen hat es altes Fixmaterial)

Sonntag, 16. Juni 2013

Spinaspfeiler am Palü

Es war eine zähe Zeit, dominiert von viel Arbeit bei der neuen Stelle, und anhaltend schlechtem Wetter an den Wochenenden. Aber endlich sollte es wieder mal eine grosse Tour zusammen mit Thomas geben!
Der Spinaspfeiler am Palü war eigentlich nicht auf meiner Wunschliste, und mir ist die Tour eigentlich eher zufällig während eines Brainstormings in den Sinn gekommen. Dank Bahn kurzer Zustieg, objektiv recht sichere Kletterei, und ein einfacher Abstieg. Ideal für diesen Juni, wo es in der Höhe immer noch sehr viel Schnee hat, und somit alpine Felstouren praktisch unmöglich sind. 
Am Freitagnachmittag aus dem Büro geschlichen und mit der letzten Verbindung auf die Diavolezza. Vorfreude beim Anblick des hochwinterlich aussehenden Piz Palü mit den drei Pfeilern, von denen ich bis jetzt nur den Ostpfeiler kannte. Etwas Kopfzerbrechen macht uns höchstens den breiten Rutsch eines kürzlichen Gletscherabbruchs am Fusse des Spinaspfeiler. Dort müssen wir durchqueren!
Der Wecker wird auf halb 3 Uhr gestellt. Auch das sind Sommer-Hochtouren! Und auf diesen Teil könnte ich gerne verzichten, aber es ist halt 'part of the game'. Leider sind die ganze, eh schon kurze Nacht hindurch Wolken und Nebel um die Gipfel gewabert, infolgedessen war die Abstrahlung gleich 0. Wir sind froh um die Schneeschuhe. Wir beschleunigen kurz das Tempo, als wir die gigantische Rutschbahn durchqueren, und stehen bald am Einstieg. Eine tolle, hochalpine Szenerie, gigantische Seracs links und rechts, und wir mittendrin!
Wir wählen die Linie, welche ziemlich direkt dem Pfeiler folgt, und grob in drei Teile unterteilt werden kann: Zuerst ein wenig ausgeprägtes Couloir etwas rechts von der Kante, dann einem kombinierten Mittelteil auf der Pfeilerkante, und zuletzt die steile NE-Wand des Piz Spinas. Im Voraus haben wir befürchtet, der Schnee könnte grundlos tief und pflotschig sein. Aber zum Glück zieht eine tief ausgefräste Lawinenrunse das Couloir hinunter, welche ein äussert effizientes und bequemes Höhersteigen erlaubt. Bingo!
Das Couloir ist knappe 45° steil, wir verzichten hier auf das Seil. Schon nach einer knappen Stunde erreichen wir das Ende des Couloirs und erreicht die eigentliche Pfeilerkante. Das Gelände wird kombiniert. 
Bei schlechten Verhältnissen müsste man hier über brüchige Platten hochgurken, bei perfekten Bedingungen würde sich durch harten Schnee jeglicher Felskontakt vermeiden lassen. Wir haben es irgendwo dazwischen erwischt, der Schnee bedeckt zwar den Fels, ist aber weich. So muss doch immer wieder mal sorgfältig im Fels gehookt werden. Ab und zu darf auch das teilweise die Felsen bedeckende, allerdings viel zu weiche Eis gehackt werden.
Wir erreichen einen breiten, steileren Felsriegel, und queren über ein Schneeband nach links, um die NE-Wand des Piz Spinas zu erreichen. Hier steigen wir ziemlich gerade hoch. Der Schnee ist tief, das Spuren anstrengend. Zum Glück können wir uns abwechseln. Und auch der Gipfel des Piz Palü rückt immer näher!
Wir erreichen wieder die Kante des Pfeilers, und folgen dieser in anhaltend steilem Gelände bis unter die Gipfelfelsen. Diese sehen recht unangenehm verschneit aus. Deshalb entscheiden wir uns für eine etwa 80m lange Traverse nach links in der Gipfelwand bis zu einer kleinen Scharte, wo sich der Grat erreichen lässt. Die Traverse im hier etwas über 50° steilen Firn ist ausgesetzt, und auf den letzten 20 Meter blank. Schon nach wenigen Metern brennen die Waden! Für mich eine neue Erfahrung, ich vermute dass mein weicher Sommer-Bergschuh sich eher weniger für steiles Eis eignet. Diesbezüglich ist mein Winterschuh, ein La Sportiva Spantik, ein super Gerät, allerdings wäre er viel zu warm im Sommer.
Nach einigen beherzten Pickelschlägen stehen wir auf dem Grat. Geschafft! Der Rest auf den Hauptgipfel ist reine Formsache, und kurz vor 10 Uhr stehen wir auf dem flachen Gipfel des Piz Palüs. Völlig alleine - die Handvoll Skifahrer sind bereits wieder abgefahren.
Der Abstieg über den Normalweg ist dann ziemlich ätzend - tiefer Nassschnee, drückende Temperaturen. Als 'Höhepunkt' dann der Gegenanstieg zur Diavolezza - wo als Belohnung ein kühles Bier und eine warme Dusche wartet!

Für den Sonntag wäre eigentlich noch ein eisiges Abenteuer am Piz Cambrena geplant gewesen. Aufgrund der viel zu hohen Temperaturen haben wir uns dann aber gegen Eis und für Fels entschieden. Schliesslich lockt am Berninapass einer der besten Klettergebiete von ganz Graubünden! Und ja, der rauhe, grossgriffige Kalk am Piz Lagalb erfüllt tatsächlich auch anspruchsvolle Felsliebhaber.

Facts:
Piz Palü, Spinaspfeiler, S, 50°, M2
Schöne, recht anhaltend steile Eistour über den rechten der drei Pfeiler. Vielleicht am ehesten noch mit dem Triftjigrat am Zermatter Breithorn zu vergleichen, wobei er vielleicht ein Tick weniger steil, dafür wesentlich anhaltender ist. Auf den 700hm gibt es keinen flachen Platz, um den Rucksack abzulegen! Ebenfalls zu beachten sind die objektiven Gefahren des Zustieges - hier Augen offenhalten und einen Gang höher schalten!
Material: Zwei Eisgeräte, ein paar Schrauben, reduziertes Set Klemmkeile und Friends für den Mixed-Teil. Bei schlechteren Verhältnissen evtl. Schlaghaken.

Ach ja, die Fotos in diesem Blog sind mit meiner neuen Kamera aufgenommen - Fujifilm X100. Bin sehr zufrieden mit dem Resultat!
Foto tk

Sonntag, 24. März 2013

Roter Granit und graues Eis

Endlich wieder mal ein kurzes Schönwetterfenster, allerdings mit erheblicher Lawinengefahr. Was tun, wenn das Eis in den mittleren Höhenlagen schmilzt, es aber immer noch zu kalt für Fels ist? Die Antwort lautet, wie so oft, die Reise nach Chamonix auf sich zu nehmen, und dort ein paar Routen mit Spass- und Adrenalingarantie zu klettern. Aber eben, dieses Mal beschränken wir uns auf die Routen, welche möglichst flachen Zustieg und keine grossen Schneefelder am Ausstieg haben. Die Wahl fällt auf zwei bei uns eher unbekannte Routen, die "Pellissier" an den Pointes Lachenal, und die "Valéria" am Petit Capucin. Beide natürlich nicht die Längsten und Schwierigsten ihres Genres, aber beide ausserordentlich ästhetisch und abwechslungsreich.

Am Donnerstag fällt die erste Bahn zur Aiguille Midi aufgrund des starken Windes aus, wir sind schlussendlich erst so gegen 11 auf der Midi. Der Zustieg mit Skis ist allerdings superkurz, man braucht nicht mal anzufellen, sondern kann bequem bis an den Einstieg fahren. Ein kurzes, allerdings mit viel Triebschnee gefülltes Couli führt zum Einstieg.
Die erste Seillänge bietet schönes, weiches Eis, Absicherung vorwiegend an Schrauben. Bei der zweiten Länge gilt es den Abzweiger nicht zu verpassen: Auch wenn einem das Gelände in die rechte Rinne drängt, muss doch unbedingt die linke, nur etwa einen halben Meter breite Rinne gewählt werden. 
Bild tk
Coole Kletterei, nicht wirklich schwierig, aber ästhetisch. Und es wird noch besser! Die dritte Länge führt in einen Felszirkus, unglaublich das es hier einen Ausweg geben kann. 
Nach einigen Metern Schnee und Mixed erreicht Thomas einen guten Stand links. Jetzt geht dann die Post ab! Es folgt die Crux der Route, eine lange respektive zwei kurze Seillängen, welche vorwiegend im Fels oder an ultradünn vereisten Rissen geklettert wird. Los geht es mit einem offensichtlichen, breiten, vereisten Riss. Zuerst noch leicht, wird das Eis gegen oben immer weniger. Zuletzt spreizt man im Fels, um einen Zwischenstand zu erreichen. Diesen zu nehmen lohnt sich nur schon aus Seilzuggründen.
Hier der Rückblick aus der vierten Seillänge, und unten einen Eindruck aus dem Mixed-Geschrubbe:
Für die fünfte und letzte Seillänge kann man die Schrauben endgültig am Gurt nach hinten verschieben. Eis hat es hier nämlich keines mehr! Man klettert zuerst eine kurze Verschneidung und kann die einzige fixe Zwischensicherung, einen Schlaghaken, klinken. Weiter geht es links um den kurzen Überhang. Zum Glück hat es einen zwar kleinen, aber sehr guten Hook, von dem aus es möglich ist, im Überhang einen Cam zu versenken. Auf wackligen Tritten, die Geräte teils im vereisten Riss verklemmend, erreicht man ein Schneefeld. 
Bild tk
Hier ist das Gröbste vorbei, wobei noch ein paar Meter über kurze Steilstufen bewältigt werden müssen, wobei Schlingen und Cams gute Dienste leisten. Ein kurzes Schneefeld, dann erreichen wir den letzten Stand. 
Mittlerweile hat das Wetter wieder zugezogen, der Wind ist nach wie vor stark und kalt. Abseilen, in die kalten Skischuhe schlüpfen, und dann nix wie los! Der Gegenanstieg zur Punta Helbronner ist qualvoll, schwerer Rucksack und müde Beine. Erst gegen halb 7 erreichen wir die alte Torinohütte, wo wir uns im geheizten! Zweierzimmer erholen können.

Facts:
Pointes Lachenal, "Pellissier", SS-, Wi4, M5+ (5c im Fels), 5 SL. 

Kurzes, aber sehr schönes Gully mit einer saftigen Mixedlänge als Abschluss. Weitaus technischer als die schwieriger bewertete Modica-Noury!

Material: Neben ein paar kurzen Schrauben ein volles Felsrack mit Cams 0.25 - 2, und ein vollständiger Satz Klemmkeile. Zudem ein paar lange Schlingen.


Am Freitag steht die "Valéria" am Petit Capucin auf dem Programm. Die sehr schöne Linie war mir vor drei Wochen aufgefallen, als ich mit Sophie die Modica-Noury geklettert war. Die Route führt auf der Ostseite des Petit Capucin hoch und führt in das Pässchen zwischen Roi de Siam und Petit Capucin. Mit Wi4+ und M3+ etwas moderater als die Pellissier, dafür mit 7 SL ein Tick länger.
Der Zustieg führt in der Nähe eines riesigen Seracs vorbei, es lohnt sich hier die Augen offenzuhalten und nicht allzu weit rechts aufzusteigen.
Links oben sieht man übrigens das Pässchen, und die dünne weisse Linie darunter, die Ausstiegs-Länge der Valéria. Um 7:40 steigen wir ein, ein harmloser Bergschrund und ein kurzer Schneehang führt zum Eis. Eine erste Länge führt über 75° Eis hoch. Komischerweise finde ich keinen fixen Stand, aber es hat Felszacken für solide Stände. Eine zweite Länge, etwa ähnlich steil, führt in die eigentliche Route, nämlich die linke der beiden Eisschläuche, welche vom Petit Capucin herunterkommen. Thomas macht Stand an einem Schlaghaken und einer Eisschraube, und ich führe die dritte Länge, welche aus einer kurzen Steilstufe (etwa 75°) und einem Schneefeld besteht.
Bild tk
Die vierte Länge besteht aus einem kurzen Gully, danach quert man über dick vereiste Felsplatten nach rechts, um einen weiteren guten Stand zu erreichen. Man könnte allerdings auch im Gully bleiben und findet dort einen Bohrhakenstand. Dieser hat aber den Nachteil, das man dem Eisschlag des Vorsteigers ausgesetzt ist, aber zum späteren Abseilen ist er tiptop.
Es folgt eine kurze Mixedstufe und ein Schneefeld, welches an den Beginn der superschmalen Ausstiegs-Eisrinne führt. Im Aufstieg übersehe ich den Bohrhakenstand links, und mache Stand an Schlingen.
Die folgenden zwei Seillängen gehören zum Besten, was ich je in Chamonix geklettert bin! Eine Eisrinne wie sie im Buche steht: Nur etwa einen Meter breit, genug Eis zum Hacken, ab und zu ein Riss zum Sichern, jeder Meter spannend, aber nie richtig schwer. 
Bild tk
Die untere Länge ist etwas anhaltender und insgesamt schöner, die obere Länge hat eine recht schwierige Einzelstelle (etwa M4), welche aber mit Mikrocams und einer Zackenschlinge gut abgesichert werden kann. Über einen kurzen, steilen Schneehang erreichen wir das Pässchen und den letzten Stand.
Die Abseilerei ist etwas mühsamer als gedacht: Im oberen Teil hat es die guten Bohrhakenstände, allerdings finden wir im unteren Teil keine Stände mehr. Wahrscheinlich sind sie unter dem Neuschnee versteckt. So müssen wir uns an die alten, teilweise schlechten Schlaghakenstände halten. Aber so gegen 13 Uhr erreichen wir das Skidepot. 
Es folgt das Schäumchen auf dem Kaffee, die Vallée Blanche Abfahrt. Auch dieses Mal fast ideale Verhältnisse, wenig Buckel, weicher Schnee. Man kann immer noch bis Chamonix abfahren, wobei es zuunterst etwa fünf Minuten Portage hat. Und bald gondeln wir im Bus zurück nach Vallorcine und freuen uns schon auf das grosse Bier im Zug!

Facts:
Petit Capucin, "Valéria", SS-, Wi4+, M4, 7 SL

Tolles Gully, welches im unteren Teil reine Eiskletterei und im oberen Teil spannende, nicht allzu schwere Mixedkletterei bietet. Landschaftlich ausserordentlich schön, mit herrlichen Ausblicken auf die roten Granitzacken.

Material: Einige kurze Schrauben, ein reduziertes Set Cams, Klemmkeile und Zackenschlingen für den oberen Teil. 

Montag, 4. März 2013

'Sportalpinismus' in Chamonix

Ein Ausflug nach Chamonix ist für mich mehr als einfach nur ein Ausflug in die Berge. Es ist wie wenn man nach Hause kommt, an den Ort seiner Träume, aber auch seiner Ängste. Tauchen die riesigen Nordwände der Droites und der Verte erst einmal über dem Col des Montets auf, steigt automatisch der Adrenalinpegel im Blut, Vorfreude, aber auch ein flaues Gefühl in der Magengegend. Schliesslich ist man hier im Hochgebirge, mit all seinen Gefahren.  Und auch wenn wir dieses Mal einen ganz bequemen Approach verfolgen, nämlich Tagestouren mit der Bahn und Skis, lauern doch auch hier Spalten, Bergschründe, und Seracs.  Aber lassen wir die Sentimentalitäten bei Seite - wie so oft stehen wir um viertel nach sieben am Schalter der Aiguille du Midi Bahn, zusammen mit ein paar verschlafenen SkifahrerInnen und natürlich einigen Alpinisten. Schon bald schweben wir durch die dichte Hochnebeldecke zur Aiguille du Midi. Das Ziel heute ist die Modica-Noury am Mont Blanc du Tacul. Nach einer ersten Abfahrt und einem kurzen Gegenaufstieg stehen wir um halb 9 bereits am Bergschrund der Route. Vor uns nur eine Seilschaft, welche in der Cosmiques-Hütte übernachtet hat. Der Bergschrund kann mit einem grossen Schritt einfach überquert werden, bald sind wir im grossen Schneecouloir, welches zum eigentlichen Gully führt.
Hier gehen wir am halblangen Seil parallel, und erreichen so relativ rasch den steilen Eisschlauch der Modica-Noury. Wobei, ich fühle brutal die Höhe, es ist das erste Mal seit letztem Herbst, das ich über 3000 Meter bin. 
Die erste wirklich eisige Seillänge steigt Sophie vor. Sie führt über mehrere kürzere, aber recht steile Aufschwünge bis unter eine senkrechte Verschneidung. Eine lange Länge, vom unteren Stand etwa 80 Meter, wobei man die ersten 20 Meter gut im Schnee parallel steigen kann.
Die zweite Seillänge ist auch schon die Crux der Route, auf gut 20 Meter zwischen 85° und 90°. Das Eis ist gut gewachsen, auch mittlere Schrauben können problemlos gesetzt werden, und durch die vielen Begehungen ist das Eis total ausgehackt. Trotzdem, Wi5 auf 3500 Meter fährt schon ein!
Die dritte Seillänge ist dann deutlich weniger steil, eine kurze Mixed-Stelle (etwa M3+ auf zwei Meter) gibt dieser Seillänge aber trotzdem etwas Würze.
Die letzte Seillänge schliesslich führt durch einen kurzen, engen Schluff. Hier ist das Problem, dass es wirklich mehr ein Kamin ist, und man mit dem Gerät nicht richtig ausholen kann. Andererseits kann man auch hier problemlos hooken. 
Wir erreichen schlussendlich den letzten Stand. Etwas wehmütig blicken wir zur folgenden Felspassage. Sie hochzuklettern macht wenig Sinn, denn wir müssen schliesslich abseilen, um zurück zu den Skis zu gelangen.
Über die steilen Längen geht das Abseilen prima, im Schneecouloir hingegen scheinen einige der Stände zu fehlen, jedenfalls müssen wir längere Passagen im Schnee absteigen. Etwa um 14:30 erreichen wir unser Materialdepot. Jetzt folgt die lange, wunderbare Abfahrt durchs Vallée Blanche, vorbei an all den grossartigen Gipfeln, die wir bereits kennen oder noch auf unserer Wunschliste haben.

Facts:
Mont Blanc du Tacul, "Modica-Noury", SS, III, Wi5+

Vier Eislängen plus ein längeres Schneecouloir. Bei guten Verhältnissen schöne, nicht allzu schwere Eiskletterei. Wie üblich sind die Eisbewertungen etwas hoch gegriffen, mehr als Wi5- ist die Schlüssel-SL kaum.

Für Sonntag ist die Ravanel-Frendo an der Aiguille Carrée, unweit der Bergstation der Grands Montets, geplant. Auch diese Tour kann man bequem als Tagestour machen, mit Abfahrt nach Argentière. Der Tag beginnt hektisch: Die Skis im abgeschlossenen Skiraum, die Reception im Hotel geschlossen. Auf den letzten Drücker bekommen wir doch noch unsere Skis, nur um im Bus festzustellen, dass ich noch den Zimmerschlüssel in der Hosentasche habe. Riesenärger! Also pfeifen wir auf die erste Bahn, zurück ins Hotel, dann mit dem nächsten Bus eine Stunde später nach Argentière. Das ist halt der Preis, den man bezahlt, wenn man mit dem öV in Frankreich unterwegs ist. Die Warterei hält sich mit etwa dreiviertel Stunden aber in Grenzen, und schlussendlich stehen wir um halb 11 am Bergschrund der Ravanel-Frendo - dieses Mal noch bequemer als gestern, ohne Gegensteigung. Wirklich Luxus!
Der Bergschrund geht auch dieses Mal problemlos. In der Route selber sehen wir auch keine anderen Leute (wobei, dies wird sich noch ändern). Die Szenerie ist wie überall in Chamonix eindrücklich, man klettert in Griffweite von den riesigen Seracs der Verte. 
Nach einem kurzen Schneehang starten wir ins Vergnügen! Im mässig steilen Styroporschnee kommen wir gut voran. Der Styroporschnee heisst übrigens auf französisch auch lautmalerisch 'Neige quiek', tatsächlich klingt es manchmal wirklich fast, als ob man eine Sau abschlachten würde. 
Nach zwei Seillängen erreichen wir ein erstes Highlight, eine eisgefüllte Verschneidung, mit 60° moderat steil, aber wunderbar vom Ambiente her.
Wir erreichen ein kleines Schneefeld. Von hier führen zwei Gullies hoch. In eisarmen Jahren kann man diese Gullies auch links umgehen. Heuer hat es aber genug Eis, zumindest im linken Gully. Aber klar, etwas gefühlvolles Pickeln respektive Hooken ist angesagt, auch lohnt es sich,  die 10er und 13er Schrauben zuvorderst am Gurt zu haben.
Auch sichtbar im Bild zwei andere Seilschaften. Am nächsten Stand haben wir sie bereits eingeholt. Insofern relativiert sich unsere späte Aufbruchzeit, wären wir früher gewesen, hätten wir nämlich einfach massiv hinter den langsamen Seilschaften warten müssen. Jetzt öffnet sich der Blick auf die Crux: Ein steiles Verschneidungssystem (im Bild rechts), eher knapp mit Eis gefüllt. 
Ich schiebe noch ein Riegel ein, und starte eher zurückhaltend in das Abenteuer. Im unteren Teil hat es noch genug Eis zum Schrauben. Bald wird das Eis dünner. Mit einem 1er Cam und der 10er Schraube kann ich die Stelle aber etwas entschärfen. Nach drei Meter folgt ein Schlaghaken, und nach weiteren drei Meter hat es wieder genügend Eis zum Schrauben.
Die nächste Seillänge wartet mit einem steilen, aber kurzen Aufschwung auf, der zudem recht gut absicherbar ist. Sophie meistert die Stelle prima im Vorstieg.
Nach dieser Stelle flacht das Gelände ab. Wir gehen noch eine Seillänge weiter, bis wir ein grosses Schneefeld und das Ende der Schwierigkeiten erreichen. Aufgrund der doch schon fortgeschrittenen Zeit beschliessen wir hier umzukehren. Die Abseilerei an den Schlaghakenständen dauert schliesslich auch noch ein Weilchen. Um viertel nach vier sind wir zurück am Bergschrund. 
Wenn wir jetzt noch den 17:18 Bus erreichen wollen, müssen wir etwas Gas geben. Zum Glück geht die Abfahrt über die Piste wirklich flott, und um 17 Uhr sind wir bereits an der Talstation in Argentière. Ein weiterer erfolgreicher Chamonix-Trip liegt hinter uns!

Facts:
Aiguille Carrée, "Ravanel-Frendo", SS-, II, Wi5.

Auch wenn die Route rein nominell etwas einfacher ist als die Modica-Noury, ist die Kletterei insgesamt anhaltender und aufgrund des dünneren Eises auch eher anspruchsvoller. Insgesamt eine äusserst lohnende, wunderbare Route!

Sonntag, 24. Februar 2013

Azzurro im Zanai

Nachdem endlich das Lawinenbulletin auf Stufe 'mässig' gerutscht war, ist die Zeit gekommen, wieder mal eines meiner Lieblingsgebiete aufzusuchen, nämlich das Zanai im St. Galler Oberland. Wiederum ist Thomas mit von der Partie - er als Sarganser mit Wurzeln in Valens gilt ja schon praktisch als 'local'. 
Das Zanai ist in praktisch allen Belangen so völlig anders als der Öschiwald in K'Steg! Während man an letzterem Ort in 10 Minuten vom Einstieg zur Beiz gelangt, und sich gegenseitig mit Eisschollen bewirft, ist ein Ausflug ins Zanai eine richtige Mini-Expedition mit Einsamkeitsgarantie. 
Wie schon das letzte Mal zusammen mit Marcel (s. Blog hier) laufen wir nicht von Valens her hoch, sondern fahren mit den Bahnen zur Pizolhütte. Dort beginnt die wunderbar wilde Abfahrt über unverfahrene Hänge. In diesem Powpow macht das Skifahren sogar mit der 'Gefechtspackung' noch Freude!
Bald öffnet sich der Blick auf eines der Tagesziele von heute: Der 'Fall für zwei'. Rechts davon die irre Zapfenlinie des 'Tatorts', leider für uns ein Tick zu verwegen.
Beim Anblick des ziemlich mühsam aussehenden Zustieges zu diesen Fällen überredet mich Thomas dazu, in den Azzurro einzusteigen, obwohl ich den Fall ja schon kenne. Andererseits hatte ich die Tour in sehr guter Erinnerung, also nix wie los. 
Im Talgrund angekommen, fellen wir an und laufen etwa eine halbe Stunde hoch an den Einstieg, den wir etwa um 11 Uhr erreichen. Hier wähnt man sich am Ende der Welt: Hinter uns eine lange Abfahrt, unter uns ein wildes, einsames Tal. Eben - das pure Gegenteil vom Öschiwald!
Im Bild das Tagesziel, der 'Azzurro'. Zuerst zwei leichtere Längen, dann zwei kompromisslos steile Abschnitte. Die erste Länge checkt etwa bei Wi2 ein, wir klettern teilweise parallel und erreichen bald das Schneefeld. Die zweite Seillänge (Wi4) war damals mit Marcel eine total ätzende Kletterei in mürbem Eis, heute jedoch ist sie prächtig gewachsen. 
Wir erreichen jetzt die riesige Kerze, die den ersten steilen Abschnitt formt. Am linken Rand bietet sich eine seichte Verschneidung an. Tolle, eindrückliche Kletterei - und hier hat es natürlich keine geschlagenen Tritte und alte Schraubenlöcher!
Wie so oft im Eis schaut es von unten kürzer aus als es ist, schliesslich sind es dann doch über 40 Meter anhaltend 80°-90°. Schon ordentlich augepowert erreiche ich das obere Schneefeld und nehme Thomas nach.
Die vierte Seillänge führt über den Vorbau und ein heikel übereistes Schneefeld an den Fuss des letzten Steilaufschwunges. 
Während ich vor einem Jahr eine Linie links gewählt habe, so greifen wir jetzt direkt über den rechten Pfeiler an, dort wo die Stufe am höchsten ist. Und auch im Bild oben täuscht natürlich die Perspektive, so ist dieser Pfeiler gut und gerne über 15 Meter hoch - senkrecht, aufgrund der Eisstruktur sogar teilweise leicht überhängend! Hier der Autor im Nachstieg in der vierten Länge:
Vom Stand quere ich einige Meter nach rechts, um dann den Pfeiler anzugreifen. Der Pfeiler ist wirklich enorm steil, aber immerhin hat es gelegentlich mal einen natürlichen Tritt und Hook. Trotzdem verlangt dieser Vorstieg von mir einiges ab (muss dazu aber sagen, dass ich noch mit einer leichten Erkältung zu kämpfen habe - ideal zum Eisklettern). Jedenfalls dünkte mich diese Länge deutlich schwerer als die schwersten Stellen von Pingu oder Blue Magic. 
Vom Ausstiegsstand (rote Reepschnur um Baumstrunk) erreicht man in 2 x 50m das Band unterhalb der Kerze, wobei man einmal einen Abalakov fädeln muss. Vom Band kann man orographisch links ein Baum erreichen, von dem man nochmals 20 Meter auf das Schneefeld abseilt. Über die letzte Länge kann man wiederum an einem Bäumchen abseilen. 
Vom Einstieg ist es dann natürlich immer noch ein gutes Stück bis nach Valens. Aber Commitment gehört halt zu Touren dieser Art. 

Facts:
Zanai, 'Azzurro', 5 SL, Wi5 (Wi5+ wenn oben rechts gegangen wird).

Wirklich eine super Tour, die es absolut verdient hätte, unter die Top 50 im Hot Ice zu kommen. Steht für mich sowohl was Charakter als auch was Schwierigkeit und Kletterei angeht überhaupt nicht hinter Klassikern wie 'Blue Magic' an. 

Schwierigkeiten aktuell: Wi2 (40m 65°), Wi4 (30m bis 80°), Wi5 (40m 85°), Wi4 (30m 80°), Wi5+ (50m, davon fast 20m 90°).

Dienstag, 19. Februar 2013

Arbonium, Pingu und Blue Magic

Ein Ausflug nach Kandersteg gehört eigentlich fix ins Winterprogramm. Insbesondere in diesem Jahr, wo die Verhältnisse mehr als zweifelhaft sind, bietet es sich erst recht an. Letzte Woche war es dann soweit. 
Am Mittwochmorgen fahren Thomas und ich ins besagte Eiskletterparadies, bei schönstem aber sehr kaltem Wetter. Wir nehmen es gemütlich, nehmen den halb acht Zug, und sind um viertel vor zehn vor Ort. Schon von weitem zeigt sich, dass sich der Andrang in Grenzen hält. Zum Glück für uns!
Bald stehen wir am Einstieg zur Arbonium Wi5-. Die anderen beiden Routen sind aber mittlerweile doch schon besetzt, so fällt uns die Wahl leicht. Es beginnt gleich ordentlich steil, aber natürlich verhookt und ausgehackt. Unangenehmer fand ich den oberen Teil der ersten Seillänge, Schnee bedeckt das Eis, macht kalte Hände und das Hacken etwas mühsam. Ich ignoriere den Bohrhakenstand rechts, und klettere gleich weiter, mache nach etwa 55m Stand an zwei Schrauben.
Die zweite Länge ist etwas kürzer, Thomas macht dann Stand unter einem markanten Felsüberhang. Die dritte Seillänge führt über eine kurze Steilstufe, danach in flacherem Gelände, zuletzt in einer Felsverschneidung, bis zu einem alten Bohrhakenstand. Thomas klettert die 60m voll aus, ich muss sogar noch einige Meter nachklettern.
Die letzte Seillänge ist nochmals eine Perle, in einer schönen Felsverschneidung geht es in gut gestuftem Eis bis an den Ausstieg.
Mit zweimaligem Abseilen erreichen wir das grosse Band, welches die Öschiwand in der Hälfte durchzieht. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was man mit dem angefangenen Tag noch macht? Und hier drängt es sich natürlich auf, den oberen Teil vom Pingu, Wi5+, noch anzuhängen. Hier war ich vor zwei Jahren mit Peter jämmerlich abgeschifft. Ist heute der Tag gekommen, diese Rechnung zu begleichen?
Die untere Seillänge führt am linken Rand des imposanten Falles hoch bis unter einen Überhang. Hier kann man bequem auf einem grossen Eisbalkon stehen. Thomas steigt souverän nach.
Bei der zweiten Seillänge traversiert man zuerst ein paar Meter ausgesetzt nach rechts, um dann über eine senkrechte Kerze das obere Ende des Falles zu erreichen. Das enorm strukturierte und gestufte Eis erleichtert die Kletterei, und bald stehen wir beide zufrieden am Ausstieg. Ein erfolgreicher Tag!

Facts
Arbonium, Wi5-, 4 SL. 
Schöner Fall mit einer steilen ersten Seillänge, der Rest ist deutlich gutmütiger.

Pingu, Wi5+, 4 SL.
Ebenfalls ein Klassiker. Ob der Schwierigkeitsgrad Wi5+ bei den aktuellen Verhältnissen wirklich gerechtfertigt ist, ist mir allerdings etwas unklar. 


Zwei Tage später stehe ich bereits wieder am Bahnhof Kandersteg. Dieses Mal zusammen mit Peter. Dieses Mal allerdings bei garstigem Wetter, dichter Schneefall und Nebel. Das heutige Tagesziel ist die Blue Magic, eine der grösseren Linien im Kessel, und schon lange auf meiner Wunschliste. Der Zustieg zieht sich etwas, vor allem haben wir uns im unteren Teil verirrt (man glaubt es ja kaum, aber es hat soviele Wegspuren!). Anyway, am Einstieg angekommen sehen wir, dass bereits eine Seilschaft am klettern ist, und eine zweite am Einstieg herumlungert. Der danebenliegende Rübezahl ist leider keine Alternative, der sieht nämlich sackschwer und extrem nass aus. Nun gut, dann gibt es halt einen 'Gang-climb'. Kurz vor 12 steigen wir endlich ein, direkt hinter den vorangehenden Engländern, um den Eisschlag etwas kleiner zu halten. Die erste Seillänge steigt Peter vor, steile Kletterei mit viel Wasser. Bald sind die Seile völlig durchnässt. Nach einer kurzen zweiten Länge erreichen wir ein breites Band. Die dritte Seillänge bietet superathletische Kletterei über Eisbalkone, ein richtiges Highlight! Ich verstehe, warum die Blue Magic so beliebt ist.
Auch die vierte Seillänge ist superschön, eine senkrechte Verschneidung, gefolgt von einigen etwas weniger steilen Metern. Obwohl der Ausstieg nicht mehr weit ist, beschliesst Peter noch einen Stand zu machen. Mir steht dann die Ehre zu, die letzte Länge in genial strukturiertem Eis zu klettern.
Der Tiefblick hier oben ist gigantisch! Nach nur zwei Stunden erreichen wir beide den obersten Stand, und mit zweimal 60m abseilen auch wieder den Einstieg. Hier der Überblick, Blue Magic links und Lochroute resp. Bück dich rechts.

Facts:
Blue Magic, Wi5+, 5 SL
Absolut erstklassige Kletterei, die dem Ruf total gerecht wird. Allerdings gilt auch hier, dass der Grad Wi5+ zumindest angezweifelt werden darf. Wirklich anhaltend ist die Kletterei nämlich nirgends, und das Eis ist überall prima zum Schrauben.