Sonntag, 27. Januar 2013

Eisklettern in Cogne

Ende Januar 2013. Bereits zum achten Mal jährt sich die traditionelle Eisklettern-Woche vom SAC Albis. Dieses Mal nach zwei Jahren in Österreich wieder einmal in Cogne, dem italienischen Eisklettern-Mekka im Aostatal. Und im Gegensatz zu den hiesigen Voralpen, wo die Verhältnisse bekanntermassen höchstens mässig sind, hat es in Cogne Eis in Hülle und Fülle! Und so machen sich sechs Albisser schwer bepackt per Auto und öV auf nach Italien.

Sonntag, 20. Januar: E tutto relativo

Wir beginnen die Woche gemächlich, und attackieren die "E tutto relativo" im Valeille-Tal. Dieser Klassiker im vierten Grad wird vielbegangen, entsprechend stellen wir uns schon a priori auf viel Volk und viel Wartezeit ein. Nach einer ersten Seillänge stehen wir auch bereits vor der Schlüssel-Seillänge, einer siffigen Säule, nicht ganz so gut eingehackt wie sonst üblich.
Die Kletterei gestaltet sich dank den vielen Tritten relativ problemlos, etwas trickier ist die Absicherung im röhrigen Grümschelieis. Nach einer problemlosen dritten Seillänge queren wir nach links, um dann noch die "L'eau cristal" anzuhängen. Obwohl diese nur bei Wi3+ eincheckt, komme ich doch mächtig ins Schwitzen: Das glasige Eis ist extrem hart und spröde, was enorm Kraft kostet. Entsprechend ernüchternd fällt das Tagesfazit aus. Ist Cogne zu hart für uns?

Facts
E'tutto relativo + Eaux cristals, Wi4, 5 SL
Vielbegangener Klassiker, das 'Enchainement' bietet sich an und resultiert in einem schönen, tagesfüllenden Unternehmen.

Montag, 21. Januar: Lillaz Gully

Das Lillaz Gully ist die monumentale Rinne, welches den Weiler Lillaz dominiert. Obschon einige Leute die Nase rümpfen ob des langen Zustieges und der meist leichten Längen - es ist eine Tour mit viel Charakter. Und sie hält auch eine Prüfung für uns bereit!
Der berüchtigte steile Zustieg hält sich dank guter Spur in Grenzen. Die erste Seillänge, etwa Wi3, geht Thomas auch gut von Hand. 
Nach einem zweiten Schneefeld verengt sich der Gully erneut, es folgt eine hübsche, leichte Länge mit einem Mixed-Ausstieg, etwa M2+. Jetzt wird das Gelände deutlich steiler und anspruchsvoller. Eine kurze Eislänge in bestem 'Sorbet', dann mittelmässiger Stand an einer mühsam zu clippenden Schlinge. Die folgende Seillänge sieht übel aus: Der übliche, dick gewachsene Zapfen scheint während der Wärmeperiode abgebrochen zu sein. An seiner Stelle hängt jetzt ein triefendes, fragiles Zäpfchen. Ich packe vorsorglich mal die 10er Schraube an den Gurt. Wohl getan! Teils im Fels, teils in einem alten Eisgebilde kletternd erreiche ich den Zapfen. Dieser ächzt unter dem Pickelschlag, so das mir Angst und Bange wird! Aber mit einem weiten Spreizer in den plattigen Fels gelingt es mir, die Anwachsstelle des Zapfens zu erreichen, wo das Eis solider scheint. Zittriges Hochstehen, dann Eindrehen der 10er Schraube. Wi4 war schon einfacher! 
Nach diesem Adrenalinstoss ist die nächste Seillänge (die eigentlich die Schlüssel-Länge wäre) pipifaz, aber schön zu klettern! Schlussendlich folgt noch die lustige Ausstiegslänge über die Wurzeln, und schon bald stehen wir glücklich am Ausstieg.
Und als wir dann so entspannt im Fussabstieg sind, eröffnet sich der Blick auf eine wilde Eislinie, die "Lau Bij":
Da kann man doch kaum widerstehen. Zum Glück haben wir den Gurt noch nicht ausgezogen! Schnell sind wir eingebunden, und los gehts! Riesige Tritte, perfekte Hooks. Ohne einen einzigen Pickelschlag erreiche ich nach 40 Meter den ersten Stand. Coole, steile Kletterei!
Jetzt wird es richtig spektakulär: Es folgt eine kurze luftige Traverse, dann schlüpft man in die Eishöhle, welche zwischen den Zapfen und einem Eisbalken gebildet wird!
Teils kriechend, teils kletternd erreiche ich nach einigen Metern den oberen Ausgang der Höhle. Nochmals eine irrsinnig ausgesetzte Traverse, dann ein paar Mixed-Meter (mit Bh entschärft), und ich erreiche den Abseilstand. Die Abseilerei, 50 Meter freihängend, ist nochmals spektakulär.

Facts: Lillaz Gully, M4, 6 SL
Toller, alpiner Gully-Eisfall, der allerdings zur Zeit deutlich anspruchsvoller ist als normal (im Bereich Wi5, mit einer überhängenden Stelle, wo man auf etwa 3 Meter nicht sichern kann). Unbedingt zu empfehlen!

Lau Bij, Wi5, 2 SL
Spektakel pur! Zur Zeit extrem ausgehackt und darum eher leichter als Wi5. Je nach Eis-Situation ist aber der Höhlen-Durchschlupf nicht möglich, dann wird es deutlich anspruchsvoller. Am besten orientiert man sich im Voraus übers Internet.

Dienstag, 22. Januar: Repetance Super

In der Sauna am Vorabend (mit bereits ein paar Bier intus) fiel der Entscheid: Heute wird die Master-Linie von Cogne, die Repetance Super, attackiert! Gut, irgendwie ist es verwegen, in einen Wi6 einzusteigen. Andererseits, vielleicht ist es ja auch eine Leiter wie der Lau Bij?
Spätestens am Einstieg wird klar: Hier spielt eine andere Musik! 
Vielleicht zuerst zu den Fakten: Drei Seillängen, etwa 100 Meter hoch, durchgehend senkrecht.  Mit etwas flauem Gefühl steige ich ein. Nach ein paar gemässigten Meter erreiche ich eine Zone mit eindrücklichen Blütenblättern. Die Kletterei ist schon hier senkrecht, aber immerhin kann man wirklich gut stehen auf den Blättern, und auch die Absicherung geht prima. Relativ bald erreiche ich den Hängestand an zwei Bohrhaken rechts.
Die folgenden Meter machen mir allerdings Bauchweh: Ich habe die Wahl zwischen einem röhrigen Geschirrladen, oder einem Arm aus solidem Alteis, allerdings mit Stehen im Fels. Ich entscheide mich für die zweite Variante. Monozack sei dank kann ich präzise auf die kleinen Leistchen stehen, und im Alteis auch eine gute Schraube setzen. Ich mache dann bereits nach etwa 10 Meter nochmals Stand an zwei älteren Bohrhaken, um Dieter etwas aus der Schusslinie zu nehmen. Allein diese kurze Länge ist aber doch schon technischer als der Thron im Avers, um mal einen Vergleich zu wagen.
Die dritte Länge bietet Genuss pur! Steiles Softeis, mit vorgeschobenem Unterkiefer zu klettern, wunderbar. Allerdings zu einem hohen Preis in Form von konstantem Wasserfluss von oben. Als ich den sehr guten Stand in einer geschützten Grotte erreiche, bin ich (inklusive Material) mit einer Eischicht bedeckt!
Eigentlich dachte ich, ich hätte die Tour schon im Sack. Aber zu früh gefreut! Die Schlüssel-Länge folgt nämlich noch...
Durch diese hohle Gasse musst du gehen... um einen der übelsten Geschirrläden zu erreichen, die man sich vorstellen kann! Es folgen 15 senkrechte und ausgesetzte Meter in mühsamsten Röhreneis. Die Geräte sitzen jeweils erst nach fünf bis sechs Schlägen, und um eine Schraube zu setzen, muss man zuerst zehn cm Röhren entfernen. Dies kostet natürlich enorm Kraft, und meine Onsight-Ambitionen sinken rapide. Bald greife ich zum beliebten 'Pickelsitz-Trick', in Kombination mit Halbseil-Technik und kurzen Abständen, um die Sturzhöhe möglichst klein zu halten. Gut, Puristen mögen den sportlichen Wert dieser Begehung vielleicht anzweifeln, aber hier geht es auch etwas ums Überleben!
Mit unendlich übersäuerten Armen erreiche ich irgendwann dann doch den Top. Repetance im Sack! Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit schenken wir uns dann allerdings die obersten beiden leichten Längen und seilen ab. Selten hat die Sauna danach besser getan!

Facts: Repetance Super, Wi6, 5 SL
Der Extremklassiker in Cogne! Bei guten Verhältnissen vielleicht nicht mehr als Wi5+. Allerdings fand ich die Kletterei doch deutlich anspruchsvoller als den Thron, den ich vor drei Jahren doch relativ souverän klettern konnte. Aber das ist halt alles eine Frage der Verhältnisse.

Mittwoch, 23. Januar: Cascade de Lillaz

Nachdem ich mich wirklich verausgabt habe in der Repetance, steht am Mittwoch ein Ruhetag an. Aktive Erholung bietet die Cascade de Lillaz, welche, von mir vollständig im Nachstieg begangen, wirklich eine Wohltat ist. Merci Claude für den Vorstieg!

Facts: Cascade de Lillaz, Wi3, 6 SL
In einer hübschen Parklandschaft gelegen, bietet die Cascade de Lillaz einen kürzestmöglichen Zustieg und als Gegenleistung eine unglaubliche Masse an Eisklettern jeglicher Nationalität und Kompetenz! Unterhaltung garantiert!

Donnerstag, 24. Januar: Chandelle Levure und Coyote

Heute soll es sonnig werden! Mit Claude wird die Chandelle Levure attackiert, eine hübsche Tour im Valeille. Und ja, die Sonne kam tatsächlich...
Herrliche Hackerei im vierten Grad. Genug steil, um das es nicht langweilig wird, aber doch nicht zu psycho. Jedenfalls spulen wir die fünf Seillängen in gutem Tempo ab, und stehen nach dem Mittag auch schon wieder zurück am Einstieg. Nach dem Ruhetag ist die Motivation wieder da, und so queren wir noch zur benachbarten "Candelabro del Coyote", welcher mit Wi5- doch noch etwas sportlicher ist. Hier sind wir richtig:
Die erste Seillänge absolviert Claude souverän, mir steht dann die zweite, noch etwas steilere Länge zu. Ein paar exponierte, senkrechte Meter, allerdings prima ausgehackt und perfekt in der Konsistenz. 
Mittlerweile spüre ich auch einen technischen Fortschritt gegenüber Anfangs Woche. Nach zwei Längen seilen wir ab - schliesslich soll es auch heute für das Plättli und zwei Saunagänge reichen!

Facts: Chandelle Levure, Wi4, 5 SL
Eine weitere vielbegangene Tour, ab etwa 10:30 bis 13:00 Uhr in der Sonne! Es hat zwei steile Längen, dazwischen Schneefelder. 

Candelabro del Coyote, Wi5-, 5 SL
Auch diese Tour ist aufgrund des recht kurzen Zustieges und der sonnigen Lage sehr beliebt. Die Schlüssel-Länge ist etwas länger und exponierter als bei der Chandelle Levure, aber insgesamt ähnlich im Charakter.

Freitag, 25. Januar: Ago di Money

Heute soll es nochmals einen Höhepunkt geben! Und zwar mal nicht mit einem Klassiker, sondern mit einer recht unbekannten alpinen Linie. Die "Ago di Money" ist aufgrund mangelndem Eis oft nicht kletterbar, dieses Jahr jedoch hat es genug Eis. Die Linie zieht sich ein dünner, weisser Faden durch eine unnahbare Felswand. Ein tolles Projekt für mich und Sophie, die Frau mit dem Flair für Hochtouren!
Laut Führer hat die erste Länge selten Eis und checkt bei 5b ein. Heuer aber zieht sich der Eisschlauch bis an den Einstieg. Wobei - Eis ist nicht gleich Hacken und Schrauben! Vielmehr ist es auf den ersten 15 Meter eine dünne Glasur, gerade mal genug dick, um die Haue 2cm auf die ausgehackten Löcher zu legen. Deshalb ist es auch von Vorteil, das Rack um ein paar Friends und Keile zu erweitern. Wobei, es hat auch etwas fixes Material, und weiter oben kann man dann an einigen ausgesuchten Stellen doch sogar eine 10er Schraube versenken. Nach etwa 30 Meter erreiche ich einen Bh-Stand. Insgesamt eine psychisch fordernde, wenn auch nicht allzu schwierige Länge. 
Die zweite Länge bietet genug Eis in moderater Steilheit. Anspruchsvoller wird es dann in der dritten Länge. Auch hier genug Eis, aber extrem hart, und auch ziemlich steil. Hier der Blick auf den Vorsteiger der vorgehenden Seilschaft:
Wirklich speziell sind dann aber die letzten Meter dieser Länge! Das Eis verschwindet, an seine Stelle treten gefrorene Moospolster. Jetzt heisst es gut durchatmen und fein stehen!
Die Abschluss-Länge bietet dann Gras-Kletterei in bester "Hohe Tatra Tradition"! Nicht schwieriger als M3-, aber trotzdem cool. In eisreichen Jahren könnte man auch links über eine steile Eislänge aussteigen, was jetzt aber nicht geht. Vom Ausstieg erreicht man in dreimaligem Abseilen wieder den Einstieg.

Facts: Ago di Money, Wi4+, M3, R, 4 SL
Tolle, charaktervolle Kletterei in Eis, Fels und Moos. Steht den bekannten Touren in Cogne in nichts nach! Bei wenig Eis kann es allerdings beliebig anspruchsvoll werden, deshalb nur einsteigen, wenn man sich über die Bedingungen im Klaren ist! Auch sollten Friends, Keile und evtl. Haken an den Gurt, auch wenn sie momentan nicht nötig sind.

Samstag, 26. Januar: Klettergarten Cogne

Am Morgen des Abreisetages steht noch ein kleines Zückerchen an: Der hübsche, sonnige Mixed-Klettergarten im Schlüchtchen bei Cogne. Die schönste Tour ist der Zapfen ganz links, der etwa bei M6- eincheckt und mit Bohrhaken sehr gut abgesichert ist.
Dann treten wir die Heimreise an - um uns von einer tollen Woche mit vielen Pickelschlägen, viel Sauna und vor allem viel Alkohol zu erholen!

Sonntag, 14. Oktober 2012

Tso Moriri Trek

Der Tso Moriri ist ein grosser See, der im Südosten von Ladakh, unweit der Grenze zu Tibet liegt. Es ist dies eine sehr abgelegene Gegend, welche kaum permanente Siedlungen hat und Heimat der Changtang-Nomaden ist. 

Wir haben uns für einen Trek in der Tso Moriri Region entschieden, weil der Kontrast zum Markha-Tal kaum grösser sein könnte: Im Markha-Tal bewegt man sich zwischen hohen Felswänden in einem fruchtbaren, grünen Talgrund. In der Tso Moriri Region sind die Berge hingegen abgeschliffen und aufgrund der sehr grossen Höhe der Täler wächst hier höchstens alpiner Rasen. Wir machen den eigentlich 'logischsten' Trek in diesem Gebiet, die Verbindung zwischen den beiden Seen Tso Kar und Tso Moriri. Neben den beiden spektakulären Seen verspricht er mehrere hohe Pässe und total einsame Hochtäler.

Eine fünfstündige Fahrt führt uns über den Taklang La, mit etwa 5300m einer der höchsten Strassenpässe der Welt, nach Panganugo in der Nähe vom Tso Kar, auf 4600m gelegen. Es gibt hier ein Teastall und ein paar Übernachtungszelte, aber jetzt, am Ende der Saison, ist alles ausgestorben. Vom Lager aus machen wir eine Wanderung auf den Gipfel im Westen vom Camp, der etwa 5100m hoch ist und schöne Blicke auf den Tso Kar bietet.
Der See selber wird mit einem dreiviertelstündigen Spaziergang vom Lagerplatz aus erreicht. Er ist salzig und Brutgebiet von unzähligen Gänsen, Enten und Watvögeln. Der See selber wird von Myriaden von kleinen Krebsen bewohnt und ist ein faszinierendes Ökosystem.
Da unser Ponymen einen 'Unfall' auf dem Weg hierher hatte (eines der Pferde ist im abgehauen, und er musste die ganze Nacht nach ihm suchen), starten wir mit einem Tag Verspätung auf unseren Trek. Dies zwingt uns, die beiden ersten Etappen aneinanderzuhängen. Dies ist allerdings im Nachhinein gesehen eine gute Entscheidung, denn ansonsten wären die ersten beiden Etappen etwas gar kurz gewesen.
Der erste Abschnitt findet auf einer Jeeppiste statt. Und schon hier wird klar, dass hier eine andere Musik spielt als im Markha-Tal. Die klare Luft und die riesigen, abgeschliffenen Hügel machen es extrem schwierig, Distanzen zu schätzen. Als Daumenregel gilt, dass man immer mindestens doppelt so lange braucht für eine Strecke, als man glaubt! Die Wanderung führt zuerst entlang des Sees, später durch eine riesige Halbwüste, wo wir Herden von tibetischen Wildeseln beobachten können. Nach etwa dreieinhalb Stunden erreichen wir Nuruchen, eine saisonal bewohnte Ansammlung von Lehmhütten. Weiter geht es über einen namenlosen, etwa 4900m hohen Pass (ist im Gelände offensichtlich). Im Bild unten ist der Pass genau über Corinas Kopf. Vom Kamerastandort zum Pass braucht es mindestens drei Stunden!
Hier ist der Rückblick vom Pass zum Tso Kar und dem ersten Lager, der am Fuss des rötlichen Berges hinter dem See liegen. Zu diesem Zeitpunkt liegen bereits fünf Stunden Marsch hinter uns, also gegen 20km!
Hinter dem Pass erreicht man ein einsames, hübsches Tälchen mit grünem Talgrund. Das zweite Lagerziel, Rajun Karu, läge eine weitere Gehstunde im Tal. Unser Ponyman hingegen schlägt das Lager gleich unter dem Pass auf, um so die Etappenlängen etwas anzugleichen (bis hierhin dauert die Etappe etwa sechs Stunden). Es ist ein toller Lagerplatz, und am Nachmittag hat der Bach sogar richtig angenehme Badetemperaturen - und dies auf fast 5000m!
Am nächsten Morgen wandern wir zuerst durch das flache Tal bis Rajun Karu, welches aus ein paar armseligen Lehmbehausungen und Unmengen von Whiskyflaschen besteht - das Nomadenleben ist eben nicht so romantisch wie man sich das vielleicht vorstellt! Von Rajun Karu geht es jetzt direkt zum Pass im Südosten hoch (und nicht wie auf der Karte eingezeichnet über den Kozur La). Der Pass heisst wahrscheinlich Kyamayuri La und ist etwa 5400m hoch. Hier der Rückblick vom Pass nach Rajun Karu, und dem Tso Kar im Hintergrund. 
Hinter dem Pass erreicht man das eindrückliche, riesige Hochtal von Gyamsharma. Spätestens hier wird klar, dass dies wohl 'the closest to Tibet without being in Tibet' ist, wie der Führer versprach. Eine fremde, exotische Landschaft, durch die gigantische Leere irgendwie beängstigend. Im Hintergrund locken mehrere 'leichte' Fast-6000er, aber bis dorthin würde man wiederum Stunden latschen...
Später treffen wir auf Nomaden, die hier, auf über 5100m, leben! 
Über einen weiteren, etwa 5300m hohen Pass (auf der Karte als Kostse La eingezeichnet) erreichen wir den Lagerplatz im Hochtal von Gyama. Hier im Abstieg nach Gyama, das Tagesziel von morgen, den Yalung Nyau La, bereits gut sichtbar links. 
Für diese anstrengende Tagesetappe brauchen wir über sechs Stunden. Der Lagerplatz liegt auf 5150m, und ich zahle trotz der eigentlich guten Akklimatisierung im Markha-Tal mit etwas Kopfweh für die Höhe. Dennoch, eine unvergessliche Nacht, die aber mit  -10° auch wirklich sehr kalt wird. Auf diesem Trek hat es sich übrigens ausgezahlt, dass wir darauf bestanden haben, ein Kochzelt mitzunehmen, welches wir beim Kochen mitbenutzen können. Denn bei diesen Temperaturen draussen zu kochen wäre definitiv jenseits von Genuss gewesen!
Die letzte Etappe führt über den Yalung Nyau La, 5450m, nach Korzok. Der Aufstieg zum Pass geht zuerst über eine faszinierende Weidebuckellandschaft, die jetzt, am frühen Morgen, steinhart gefroren ist.
Später führt ein kleines, eingeschnittenes Tälchen bis auf den Pass, der mühelos erreicht wird. Hinter dem Pass öffnet sich den Blick auf den riesigen, etwa 25km langen und bis zu 10km breiten Tso Moriri. 

Jetzt geht es zuerst den Umständen entsprechend steil hinunter, bevor wir dann eine riesige, wüstenähnliche Ebene erreichen. Über diese gelangen wir schlussendlich nach Korzok, einem kleinen Dorf am Ufer vom Tso Moriri. Korzok ist eine ärmliche, aber lebhafte Siedlung, es hat hier ein, zwei Guest Houses und ein kleines Beizchen, welches sogar Bier verkauft! Hier ist übrigens eines der höchsten Anbaugebiete der Welt für Gerste, auf über 4500m! Im Hintergrund sind die beiden Gipfel Lungser- und Chamser Kangri, welche als sehr einfach zu besteigende 6000er gelten. 
Stimmung am Tso Moriri. Das wilde Gebirgsmassiv im Hintergrund ist übrigens (laut Google Earth) das Gya-Massiv, etwa 6700m. Noch nie davon gehört? Ich auch nicht. Laut Internet wurde die Erstbesteigung des Hauptgipfels von einer indischen Expedition vor etwa 15 Jahren gemacht. Seither scheint sich kaum noch jemand in dieses Gebiet verirrt zu haben. Ich bin sicher, dort gäbe es noch Erstbesteigungen en masse zu holen!
Von Korzok schlussendlich fahren wir in einer siebenstündigen Fahrt zurück nach Leh. Die Fahrt führt durch die Indus-Schlucht, welche übrigens mit riesigen Granitwänden und massivem Potential für leichte bis extreme Klettertouren aufwartet. 

Facts:
Tso Kar - Tso Moriri Trek, T1, 3 Tage

Literatur: im Buch "Trekking in Ladakh" ist die Route nur sehr grob beschrieben. Auf der Karte "Ladakh Zanskar Sud", Editions Olizane, ist der kürzeste und logische Weg nicht eingezeichnet (s. meine Beschreibung oben), ansonsten leistet die Karte aber gute Dienste.

Ein abgelegener Trek in sehr grosser Höhe und Einsamkeit. Die Schwierigkeit liegt weniger in der Wegfindung und der technischen Schwierigkeit, als vielmehr im Wissen, dass man hier, Tagesmärsche entfernt vom nächsten Telefon, wirklich auf sich alleine gestellt ist. Eindrückliche, riesige, glattgeschliffene Hügel, welche das Trekking langwierig und fast schon meditativ sein lassen. Sicher etwas vom Exotischeren, was man in Indien haben kann! 

Material: Campingmaterial für Nachtemperaturen von bis zu -10° (Ende September). Hier macht es auch Sinn, ein Kochzelt dabeizuhaben. Die Wege sind alle wirklich supereinfach, solange kein Schnee liegt, reichen Halbschuhe.

Strategie: Homestay-Trekken kann man hier vergessen. Wir haben dieses Mal einen Guide dabeigehabt, einfach auch als Backup-Möglichkeit, falls etwas schiefgehen sollte. Zudem einen Ponyman für das Gepäck. Es war für unsere Agentur sehr schwierig, zu dieser Jahreszeit einen Ponyman aufzutreiben (weil Erntezeit ist), und wir mussten auch etwas tiefer in die Tasche greifen deswegen. Wiederum haben wir Ali shayoktravels@rediffmail.com engagiert für die Organisation.

Zeit: Der Trek kann problemlos in drei langen Tagen (plus je ein Tag für Hin- und Rückfahrt) bewältigt werden. Es ist allerdings enorm wichtig, gut akklimatisiert auf diesen Trek zu gehen! Bekommt man in Gyama ein Höhenlungenödem, dann hat man ein riesiges Problem - das flache Gelände erlaubt keine schnellen Abstiege!

Wichtiger Hinweis: Es ist dies eine der ökologisch sensibelsten Regionen der Welt. Es versteht sich deshalb von selbst, dass man allen Abfall wieder mitnehmen soll (und diesbezüglich auch ein Auge auf den Guide werfen, die Locals haben hier oft einen wenig nachhaltigen Ansatz). Toilettenpapier muss man verbrennen, und zudem sollte man die Ufer der beiden Seen zur Brutzeit der Vögel nicht betreten. 

Markha-Tal Trek

Nach einen intensiven und dank unbezahltem Urlaub erfolgreichen Bergsommer reisen Corina und ich Mitte September in den Ladakh in Nordindien, um dort zwei Treks zu machen. Ich möchte beide Treks kurz beschreiben, nicht weil die Wegfindung besonders schwierig wäre, sondern vielmehr um einen allgemeinen Eindruck der Landschaft und des Stils des Treks zu vermitteln.

Der Markha-Trek ist der wohl beliebteste Trek bei Leh. Dies, weil er von der Anfahrt her sehr kurz ist und durch ein wunderschönes Tal ohne Verkehrsinfrastruktur führt. Zudem führt der Trek über zwei hohe Pässe, und verspricht viel Abwechslung, was die Landschaft angeht. Aus akklimatisationstechnischen Gründen entscheiden wir uns für die 'leichte' Variante über Spituk, obschon die schwierigere Variante über den Stok La wunderschön sein soll. 
Nach einer kurzen Fahrt nach Spituk beginnt der Trek wenig inspirierend auf einer Teerstrasse.  Man wandert zuerst etwa zwei Stunden durch die Halbwüste, bevor sich das Tal verengt.
Aber auch hier wandert man nach wie vor auf einer Teerstrasse, die zum Glück kaum befahren wird. Ideal wäre es, wenn man Velos mieten würde und mit diesen bis ans Ende der Teerstrasse, etwa eine Stunde vor Zinchen, fahren würde. Alternativ könnte man natürlich mit dem Auto bis nach Zinchen fahren, was auch prompt eine andere Gruppe macht. Jedenfalls erreicht man nach etwa vier Stunden Zinchen, wo es ein Campingplatz und zwei, drei Häuser hat. Ob man in den Häusern übernachten kann, weiss ich nicht, der Campingplatz ist aber ok, wenn auch sehr staubig.
Die zweite Etappe verspricht bereits mehr Ursprünglichkeit. Der Fahrweg verschwindet, man wandert über einen hübschen Fussweg durch eine eindrückliche Schlucht. Kurz vor Rumbuk wird das Tal offener. Immer wieder fallen die Mani-Mauern auf, die mit Tierschädel 'geschmückt' sind. 
Etwas untypisch für die Jahreszeit ist das Wetter heute auf der eher wechselhaften Seite, es ist kühl, bewölkt, zeitweise fällt leichter Nieselregen. Nach Rumbuk führt der Weg durch eigentümliches, rötliches Gestein, welches selbst bei Regenwetter noch imposant aussieht. Nach etwa fünf Stunden erreichen wir Yurutse. Im herrschaftlichen Haus kann man Homestay machen, etwa 10 Minuten weiter befindet sich ein inoffizieller Zeltplatz. Man sollte sich unbedingt mit den Bauern absprechen, wo man genau Zelten kann, denn es befinden sich überall Felder. Leider hat es hier kein Toilettenhäuschen, man sollte sich infolgedessen etwas weiter vom Platz entfernen fürs 'Geschäft'.
Am späteren Nachmittag unternehme ich eine kurze Wanderung auf den Gipfel nördlich vom Zeltplatz. Dieser ist etwa 4700 Meter hoch, und bietet eine schöne Aussicht auf den Stok Kangri und die nächste Tagesetappe.
Zum Stok Kangri gilt übrigens folgendes zu sagen: Wir haben eine Besteigung nicht in Erwägung gezogen, weil uns die vermeintlich hohen Kosten von 500$ abgeschreckt haben. Wie wir allerdings erfahren haben, zahlt man gerade mal 2000 Rupien (etwa 30 CHF), wenn man die Besteigung in Leh organisiert.

Die dritte Etappe führt über den 4900m hohen Ganda La ins eigentliche Markha-Tal. Wir starten früh um sieben Uhr, denn es verspricht eine lange Wanderung zu werden. Der frühe Aufbruch zahlt sich schon bald aus, denn wir sind die ersten Menschen heute morgen, und können so unzählige Vögel, Hasen und Murmeltiere beobachten. Der Aufstieg zum Pass gestaltet sich recht mühelos, der Weg ist nirgendswo wirklich steil. Auf dem Pass herrscht ein ziemlicher Rummel, wir steigen darum auf den Hügel rechts vom Pass, wo wir unsere Ruhe haben und eine Mittagspause einlegen.
Allerdings ist die Sache hier noch nicht gelaufen, im Gegenteil. Der Abstieg nach Skiu zieht sich wirklich in die Länge! Bis Shingo ist das Tal offen, mit sanften Geröllhängen links und rechts. Shingo selber ist ein malerischer Weiler. Nach Shingo ändert sich die Landschaft vollständig. Wir betreten eine enge Schlucht aus unglaublichen Konglomeratblöcken. Tatsächlich habe ich bis jetzt wenig Konglomeratwände von solchen Dimensionen gesehen. Kurz vor Skiu wechselt das Gestein, der flache Talboden wird dominiert von riesigen, steilen Felswänden. Im Bild links einer der sehr seltenen Wachholderbäumen.
Obwohl schon vier Uhr ist, sind wir noch nicht am Ziel. Vielmehr biegen wir bei Skiu ins Haupttal ein, welchem wir noch etwa eine halbe Stunde folgen, bis rechterhand ein schöner Zeltplatz kommt. Der Zeltplatz liegt direkt am Fluss, der hier in grossen Mäandern fliesst. Obwohl auf 3400m gelegen, ist die Luft angenehm warm, so dass wir uns ein Bad im Fluss nicht nehmen lassen! 
Die vierte Tagesetappe führt von Skiu in 22km nach Markha. Man darf sich nicht täuschen lassen, dass die Höhendifferenz nur 300m beträgt, denn der Weg führt mehrere Male über dem Talgrund, was doch zu einer deutlich grösseren Höhendifferenz führt. 
Der Weg ist allerdings nie langweilig, vielmehr gibt es so viel zu sehen entlang vom Weg! Besonders eindrücklich sind die gigantischen, steilen 'Moränen', wie es sie nur in Gebirgswüsten gibt.
Unterwegs bleibt auch noch Zeit, in einer der wenigen 'Tea-Stalls' ein Buttertee zu 'geniessen' (wenn man ihn den mag). Überhaupt, wir sind überrascht, wie wenig Menschen man hier trifft, obwohl der Markha-Trek ja der meistbegangenste Trek ist. Auf dieser ganzen Tagesetappe sind wir wohl kaum mehr als drei, vier anderen Trekkern begegnet, und auch Locals trifft man kaum an auf dem Weg.
Kurz vor Markha muss der Fluss durchwatet werden. Dies kann im Frühsommer, bei Schneeschmelze, durchaus mühsam sein, jetzt aber geht es prima. Wiederum erreichen wir den Zeltplatz, in unmittelbarer Nähe zu einem Homestay, erst gegen vier Uhr nachmittags. 
Die nächste Tagesetappe führt von Markha nach Tahungste. Auch wenn es im Führer nach einer kurzen Etappe ausschaut, darf man sich nicht täuschen lassen! Es steht nochmals ein anstrengender Tag bevor! Die erste 'Schlüsselstelle' folgt schon bald, eine weitere Flussdurchquerung:
Übrigens, man darf auf keinen Fall den im Führer als 'dangerous path' bezeichneten Weg nehmen, dieser ist nämlich über weite Strecken abgerutscht und kann gar nicht mehr begangen werden.
Wir stehen jetzt unter der Umlung Gompa. Das Kloster selber befindet sich etwa 100 Höhenmeter über dem Talgrund. Hochsteigen oder nicht? Wir entscheiden uns hochzusteigen. Und tatsächlich, es hat sich gelohnt! Oben angekommen begrüsst uns ein freundlicher Mönch. Er geleitet uns in einen dunklen Raum, zündet ein paar Kerzen an, und beginnt die Morgenpuja! Ein eindrückliches, wunderschönes Erlebnis für uns!
Vom Kloster aus hat man des weiteren auch eine schöne Aussicht auf das Tal.
Aber irgendwann müssen wir weitergehen. Der Weg führt durch den Weiler Umlung, wo es mehrere Teatents hat um sich zu verpflegen. In den extrem steilen Hängen vis-a-vis können wir mehrere Blue Sheep beobachten, die an unglaublichen Stellen herumspringen. Da würde sogar einem Schweizer Steinbock Angst und Bange werden!
Nach Hankar wird das Tal enger und steiler, und zum ersten Mal kommt der mächtige Kang Yatze ins Blickfeld. Und nach weiteren zwei Stunden, wiederum gegen 4 Uhr nachmittags, erreichen wir schlussendlich den Zeltplatz bei Tahungste. In unmittelbarer Nähe hat es mehrere Yaks, hoffentlich machen die keinen Ärger in der Nacht...
Die drei vergangenen Tagesetappen waren alle lang und haben Substanz gekostet. Deshalb sind wir dankbar, das die nächste Etappe nach Nimaling deutlich kürzer wird. Der Weg führt zu Beginn recht steil auf einen sanften Rücken. Auf der gegenüberliegenden Talseite hat es eindrücklich erodierte Felsformationen.
Immer schöner kommt auch der Kang Yatze zum Vorschein. Deutlich sichtbar auf dem Bild ist der sehr einfache Nebengipfel (rechts), der vom Hauptgipfel durch einen langen Grat getrennt ist. 
Eine kurze Recherche zeigt, dass sich die meisten Besteiger mit dem Nebengipfel zufrieden geben, welcher in einem Tag von Nimaling aus bestiegen werden kann. Der Verbindungsgrat ist schwieriger, aber glaub auch nicht ganz so wild wie es den Anschein macht. Ich frage mich allerdings, ob es nicht lohnender wäre, den Aufstieg über die steile Seracflanke links zu machen, was sicher eine lohnende, nicht allzu extreme Eistour wäre.
Nun, wir lassen den Kang Yatze beiseite und stellen das Zelt auf. Das Tal bei Nimaling ist flach und extrem weitläufig, eine Nachmittagswanderung mit Gipfelbesteigung ist hier nicht möglich!
Am späteren Nachmittag drückt tatsächlich eine Schlechtwetterfront rein. Allerdings bringt sie entgegen unseren Befürchtungen kein Schnee, sondern nur ein paar Regentropfen. Die Nacht wird mit etwa -7° bitterkalt, zum Glück haben wir unsere warmen Schlafsäcke dabei.
Am nächsten Tag folgt der 'Höhepunkt' des Treks, der Gongmaru La mit 5100m. Der Aufstieg von Nimaling ist gerade mal 400hm, so erreichen wir bereits am Mitte Vormittag den Pass. Vom Pass aus geniesst man eine tolle Aussicht auf die hohen Berge. Links vom Kang Yatze hat es mehrere Gipfel, die ebenfalls 6000m erreichen und wahrscheinlich kaum bestiegen werden, obwohl sie reicht leicht aussehen. 
Der Abstieg vom Pass ist zuoberst recht steil, unten dann betritt man eine weitere eindrückliche Schlucht aus roten Felsen. Die Überreste eines Packpferdes mahnen, dass der Weg auch für die Ponies nicht trivial ist.
Am frühen Nachmittag, etwa um 13 Uhr, erreichen wir bereits Chukirmo, wo der Zeltplatz ist. Die Homestay-Gruppen können etwas weiter, bis Chugdo absteigen. Allerdings würde es hier wohl Sinn machen, gleich nach Shing Sumdo abzusteigen, dann könnte man am selben Tag noch nach Leh zurückfahren. 
Auf der letzten Etappe, welche in etwa zweieinhalb Stunden nach Shing Sumdo führt, kann man nochmals eindrückliche erodierte Erdzacken beobachten.
Die Rückfahrt von Shing Sumdo nach Leh geht etwa anderthalb Stunden, vielleicht kann man den Fahrer motivieren, einen Umweg über Hemis zu machen, um das dortige Kloster noch zu besichtigen.

Facts:
Markha-Tal Trek, T2, sieben bis acht Tage.

Literatur: Trekking in Ladakh von Charlie Loram ist hilfreich und informativ.

Ein wunderschöner, sehr abwechslungsreicher Trek in einem (immer noch) ursprünglichen, erstaunlich einsamen Tal (kein Vergleich zu den bekannten Trekkinggebieten in Nepal!). Allerdings darf man sich nicht täuschen lassen ob der Tatsache, dass dies der meistbegangenste Trek in Ladakh ist, die ersten fünf Tagesetappen sind alle recht lang und anstrengend.

Material: Mitte September ist eigentlich eine ideale Zeit. Tagsüber sind die Temperaturen angenehm, man wandert im leichten Hemd. In der Nacht fallen die Temperaturen allerdings sogar in Skiu, am tiefsten Punkt des Treks, auf unter Null, und in Nimaling kann es schon bis -10° kalt werden. Von da her gesehen lohnt es sich wohl, bei einem Zelttrekking einen warmen Schlafsack mitzunehmen. Der Weg ist durchgehend sehr einfach, halbhohe Trekkingschuhe reichen aus. Stöcke fand ich nicht notwendig, denn auch der Abstieg vom Gongmaru La ist nur zuoberst auf etwa 200hm steil. Es hat im Markha-Tal keine Läden, eventuell kann man Fertignudeln und Riegel in einem der 'Tea-Stalls' kaufen.

Strategie: Es gibt grundsätzlich drei mögliche Ansätze, nämlich entweder einen 'Full-organized trek' inklusive Koch, Kochzelt und das ganze Zeugs, einen selbständigen Trek, wo man selber kocht, oder einen Homestay Trek. Die meisten Gruppen machen einen Homestay-Trek, wobei man sich hier nicht täuschen lassen darf, die meisten Homestays sind heutzutage veritable Lodges, ähnlich denen in Nepal. Wir haben uns für einen selbständigen Trek entschieden, wobei wir das Gepäck von Ponies tragen liessen. Die Hardcore-Variante wäre, das Zeugs selber zu tragen. Man spart dabei natürlich etwas Geld und gewinnt Flexibilität, aber ob es das wert ist... Bei einem 'Full-organized Trek' würde ich darauf bestehen, kein WC-Zelt mitzunehmen, dies ist im Markha-Tal wirklich nicht notwendig und auch unhygienischer. In allen offiziellen Campingplätzen gibt es saubere Ladakhi-Trockentoiletten.
Bezüglich Guide gilt folgendes: Grundsätzlich braucht es für einigermassen erfahrene Wanderer keinen Guide, der Weg ist mit dem Buch "Trekking in Ladakh" wirklich einfach zu finden. Ein guter Guide kann einem viel Interessantes erzählen zu Leben und Leute (wenn er denn gut genug Englisch kann). Andererseits haben viele Guides die Angewohnheit, eher zu schnell zu marschieren und wenig Pausen zu machen. Hat man das Gefühl, dass der Guide zu schnell unterwegs ist, kann man durchaus auch mal ein Machtwort sprechen. Während es total überflüssig ist, das Trekking von einem hiesigen Organisator aus zu buchen, lohnt es sich durchaus, eine lokale Agentur zu nehmen, die einem das Suchen der Ponymen erleichtert. Wir hatten sehr gute Erfahrungen mit Ali shayoktravels@rediffmail.com gemacht.

Zeit: Wir haben acht Tage für den Trek eingeplant, wenn man die erste Etappe fährt und auf der letzten Etappe gleich nach Shing Sumdo absteigt, würden aber sechs Tage reichen. Weniger als sechs Tage sind für Genusswanderer kaum realistisch.